Tunesien-Liebe

Fragen und Antworten

zu Beziehungen mit Tunesiern - Teil 2




Auf dieser Seite werden typische Fragen beantwortet, die fast im Tagesrhythmus in vielen deutschen Foren gestellt werden. Diese Liste wird ständig aktualisiert und erweitert.


Ich bin zwar älter als mein Partner, doch sehe noch viel jünger aus.

Kompliment - doch genau das spielt in diesem Zusammenhang überhaupt gar keine Rolle. Prinzipiell kommt es in Tunesien in erster Linie darauf an, ob die Frau noch (mehrere) Kinder bekommen und ihre Rolle im Haus ausüben kann, und nicht darauf, ob sie "optisch" zum Mann paßt.
Das "Angeben" mit der Schönheit oder Jugend einer (Ehe)Frau spielt in arabischen Ländern traditionell keine Rolle, denn die Aufgabe der Frau liegt im Haus und bei der Kindererziehung, nicht in der Aufwertung des Mannes in der Öffentlichkeit (so wie oftmals in westlichen Ländern).

Bei traditionellen und religiösen Tunesiern wird außerdem die "Verhüllung" der Frau befürwortet - in diesem Fall würde ein Außenstehender die "Vorzüge" der Frau ja ohnehin nie zu sehen bekommen.


Welche Rolle spielt "Liebe" in einer Beziehung in Tunesien?

In hergebrachter Form überhaupt keine bzw. nur eine sehr geringe.
Eine Ehe ist ein wirtschaftlicher Vertrag zwischen zwei Personen, der zuvorderst der Erlangung von beiderseitigen Vorteilen, der Erhaltung der Familienlinie und dem gesellschaftlich akzeptierten Sexualleben dient. Ein Ehevertrag ist in arabischen Ländern dementsprechend auch eine unbedingte Voraussetzung für eine Eheschließung.

Bei "arrangierten" bzw. eindringlich vorgeschlagenen Heiraten, die nach wie vor einen Großteil der Heiraten in Tunesien darstellen, wird in erster Linie auf die soziale Kompatibilität (ähnlicher sozialer Hintergrund), Fortpflanzungsfähigkeit, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
(des Mannes) und die Makellosigkeit der Lebensführung (speziell der Frau) geachtet.

"Liebe" hingegen wird bei rechtschaffenen Eheleuten in der Ehe von selbst entstehen bzw. von Gott gegeben werden, so lautet dort die gesellschaftliche Übereinkunft.

In hochgebildeteten Kreisen setzt sich zwar zunehmend der - vom westlichen Fernsehen vermittelte - Wunsch nach Liebesheiraten durch, inwieweit dieser Wunsch jedoch auch in der Realität Bestand hat und von den Familien akzeptiert wird, ist eine andere Frage.
In niedrigen und mittleren Bildungsschichten ist ein solcher Wunsch außerdem meist nur ein Lippenbekenntnis, der Vertragscharakter spielt hier in fast allen Fällen die Hauptrolle.


Ist eine "offizielle" Vorstellung bei der Familie meines Partners notwendig?

Im Prinzip nein, weil es für eine Europäerin unmöglich ist, traditionellen Vorstellungen zu genügen.
Trotzdem wird ein Mann natürlich die Meinung seiner Familie über seine potentielle Partnerin einholen wollen. Anders als bei einer Frau hat das Votum der Familie bei einem Mann jedoch nur ein geringes Gewicht (das ist bei Männern aus sehr traditionellen Familien anders, doch Männer aus diesen Familien würden eine Ehe mit einer Europäerin ohnehin nie in Betracht ziehen).
Es versteht sich von selbst, daß bei einem derartigen Besuch kein Körperkontakt zwischen Mann und Frau stattfindet, da sie nicht als Paar, sondern lediglich als "vielleicht mögliches" Paar auftreten.

Stellt sich ein Mann bei der Familie seiner zukünftigen tunesischen Frau vor, so erfolgt diese Vorstellung üblicherweise, ohne daß die Frau auch nur zugegen ist, weil sie erst dann um ihre Meinung gebeten wird, wenn die Familie (meist der Vater) den potentiellen Schwiegersohn positiv beurteilt.
Ein Mann geht üblicherweise auch nicht ganz alleine zur Familie der Heiratskandidatin, sondern, wenn er jung ist, zusammen mit seinen Eltern (die bei dieser Gelegenheit dann auch die Frau kennenlernen), oder ansonsten mit einem Bruder oder Onkel.


Insofern ist der "traditionelle" Beginn einer Beziehung bei einer Partnerschaft mit einer Europäerin nicht möglich, da der erste, wichtigste Teil, nämlich die formelle Vorstellung des Mannes bei der Familie der Frau nicht stattfinden kann.
Stattdessen bringt der Mann die Frau zu seiner Familie mit - da er als Mann jedoch anderen gesellschaftlichen Normen unterliegt, als eine Frau, wird dies nicht als eine traditionelle, formelle, Vorstellung verstanden, sondern sozusagen nur als eine Benachrichtigung der Familie über eine eventuelle Partnerwahl.

Umgekehrt kann ein Mann jedoch um eine tunesische Frau auch dann bei ihrer Familie werben, wenn er noch nie mit ihr persönlich gesprochen hat.


Ich möchte mit meinem neuen tunesischen Freund einige Tage alleine verbringen. Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte ich treffen?

1) Lassen Sie sich eine Kopie des tunesischen Personalausweises (Carte Identite Nationale, CIN) Ihres Freundes geben - vergleichen Sie die Kopie mit dem Original und hinterlegen Sie die Kopie an einem sicheren Ort (Familie, etc.).
Die Angaben sind zwar in arabischer Schrift geschrieben, können aber im Notfall dann übersetzt bzw. örtlichen Behörden als Fax/Datei übermittelt werden.
Jeder Tunesier ist dazu verpflichtet, seine CIN ständig bei sich zu tragen

2) Führen Sie keine wertvollen Gegenstände oder größere Geldbeträge mit sich (im Hotel oder gleich zuhause lassen). Das schützt nicht nur vor Diebstahl sondern auch einen selbst davor, in einem schwachen Moment großzügige Geschenke zu machen.

3) Vereinbaren Sie mit Ihrer Familie oder Freunden, daß Sie sie regelmäßig anrufen, angerufen werden wollen, oder ihnen eine Kurznachricht senden.
Teilen Sie bei den Kontakten mit, in welcher Region/Stadt Sie sich aufhalten, falls mit dem Auto unterwegs: Modell und das Kennzeichen (Zahlen und Buchstaben).
Vereinbaren Sie ein Codewort, das Sie nur dann verwenden, um zu erkennen zu geben, daß etwas nicht in Ordnung ist und Sie Hilfe benötigen. Der unauffällige Satz "Schöne Grüße an Oma", wenn das Codewort "Oma" lautet, wird einen Zuhörer nicht mißtrauisch machen, den Empfänger aber alarmieren.
Falls Sie keine Vertrauenspersonen haben, können Ihnen dieser Service weiterhelfen.

4) Verhalten Sie sich bei Kontakten zu unbekannten Dritten stets freundlich, doch angemessen distanziert. Als Frau ist es sogar üblich, mit fremden Männern besonders wenig oder gar nicht zu reden. Vermeiden sie allzu kumpelhaftes Auftreten und großzügiges Gehabe.

5) In Tunesien zahlt der Mann, nicht die Frau. Halten Sie sich an diesen Grundsatz, denn er ist immer richtig!


Wie groß sollte meine finanzielle Beteiligung bei einer Verlobung/Hochzeit sein?

Gering.

In Tunesien zahlt der Mann bei einer Verlobung den Goldring mit Stein für die Frau. Zwischen Verlobung und Hochzeit kauft der Mann eventuell auch noch kleinere Schmuckstücke für die Frau.
Für die Verlobungsfeierlichkeiten ist ein Beitrag der Frau denkbar, der z.B. die bei der Feier gereichten Eßwaren und Getränke mitfinanzieren kann (das erfolgt sonst meist durch Eigenleistungen von Familienangehörigen der Frau, z.B. Kochen für und Bewirten der Gäste).

Ähnlich verhält es sich mit den Hochzeitsfeierlichkeiten. Die Frau sollte keinesfalls auf angemessene Geschenke des zukünftigen Ehemannes verzichten, denn nur dadurch wird zum Zeitpunkt der Hochzeit vor allen Gästen ihr "Wert" und damit ihr Status dargestellt!
Selbst bei ärmeren Familien sind Hochzeitsgeschenke von 1000 Dinar und mehr üblich. Falls es schon verheiratete Kinder in der Familie gibt, schaut man sich deren Hochzeitsbilder an und richtet sich - für die gesamte Hochzeit - nach der Faustformel: "nicht weniger".

Der Ehemann ist verpflichtet, zum Zeitpunkt der Hochzeit  eine Wohnung für das Ehepaar zur Verfügung zu stellen und diese zu mindestens 50% fertig einzurichten (zwar werden meist die Einrichtungsgegenstände vorher, auch gemeinsam mit Familiengehörigen, von den Eheleuten ausgewählt, doch vom Mann alleine bezahlt). Den Rest bringt die Frau mit (oft Küchengeräte und -ausstattung, sowie Wäscheartikel, das ist es also auch, was man einer Frau in Tunesien zur Hochzeit schenkt).

Bei Hochzeiten, in denen die Eheleute nicht in Tunesien leben wollen, ist es nicht unüblich, daß der Mann dann eine Geldleistung erbringt, die der Frau für die bereits eingerichtete Wohnung gegeben wird - und nicht etwa "kostenlos" ins von der Frau gemachte Nest einzieht.
In der Praxis wird man bei binationalen Ehen improvisieren müssen, doch die Frau sollte auf gar keinen Fall den Großeil der Kosten übernehmen - dies würde nämlich nur in der Öffentlichkeit zum Ausdruck bringen, daß der Mann gar keiner ist und daß die Frau auch keine ist - mit der Folge, daß die Ehe als solche von der Gesellschaft nicht ernstgenommen wird.

Noch einmal - die Frau in Tunesien hat normalerweise nur zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit (und später durch gemeinsame Kinder) die Möglichkeit, ihren gesellschaftlichen Status zu demonstrieren und zu festigen.
Den Gegebenheiten rund um die Hochzeit kommt daher eine große Bedeutung zu, die Hochzeiten in westlichen Ländern meist auch nicht nur annährend haben, und dieser Bedeutung sollte die Frau auch unbedingt Rechnung tragen, damit sie und ihre Ehe ernstgenommen werden!


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