Tunesien-Liebe

Kind in Tunesien

Rollenmodell - Unterhalt - Sohn und Tochter - Binationale Kinder




Kinder in Tunesien werden nicht, wie in vielen europäischen Ländern extrem, oft übertrieben, umsorgt und gehätschelt, sondern sozusagen als "normale" Familienmitglieder behandelt.

Auch wenn in höheren Bildungsschichten ein Umdenken stattfindet, wird mit Kindern generell wenig "unternommen", es wird mit ihnen wenig gespielt, sie werden weitgehend nicht künstlerisch oder intellektuell gefördert und haben einen weitgehend an natürlicher Schlaf- und Wachphase strukturierten Tagesablauf; sie sitzen auch abends z.B. bei den Eltern, bis sie einschlafen und dann ins Bett gebracht werden.

Das Fernsehen als ein in Tunesien überall und ununterbrochen laufendes Medium übernimmt oft die Rolle eines Babysitters.

Zwar kümmert sich jeder tunesische Erwachsene um Kinder, nimmt sie für einen Moment auf den Arm und spricht mit ihnen, doch dies begründet keinesfalls die von Urlaubern oft auf den ersten Blick geäußerte Vermutung der "besonderen Kinderliebe".
Kinder jeden Alters sind vielmehr in so gut wie jedem Haus ständig vorhanden und werden daher als ein natürlicher Bestandteil der Umgebung begriffen, jedoch keinesfalls als ein so übermäßig schützens- und liebenswertes Gut behandelt, wie es in einigen Staaten Europas heutzutage üblich ist.

Kinder dürfen in Tunesien zwar nicht geschlagen werden – diese relativ neue gesetzliche Bestimmung wird allerdings (noch) nicht von allen Eltern oder Erziehungseinrichtungen befolgt.

Kinder werden in Tunesien mit dem 18.Lebensjahr volljährig, unterliegen aber in der Realität, wenn sie unverheiratet sind, weiterhin der Autorität durch die Eltern, für viele gilt dies praktisch auch noch in oder nach einer Ehe.


Schule in Tunesien

Kinder in Tunesien werden üblicherweise mit 5-6 Jahren eingeschult und durchlaufen dann eine verpflichtende 9-10jährige Schulzeit, davon die ersten 6 Jahre in einer Primarschule (vergleichbar einer Grundschule).


Einfluß der Religion

Jedes Kind eines muslimischen Vaters (nicht nur in Tunesien) erhält durch seine Geburt stets und automatisch die Religionszugehörigkeit "Muslim".

Dem Vater obliegt die religiöse Pflicht, sein Kind in den Regeln der Religion zu unterweisen, damit wird bei Jungen meist eher begonnen (ca. 9 Jahre), als bei Mädchen (ca. 12 Jahre).    


Sorgerecht in Tunesien

Nach einer Scheidung wird in Tunesien, ähnlich wie auch in Europa, beiden Eltern eines Kindes das Sorgerecht zugesprochen und es wird meist von der Mutter ausgeübt (weil das Kind auch meist bei ihr wohnt).

Es gibt allerdings in Tunesien Rechte, die stets bei Vater verbleiben, und hierzu gehört als wichtigstes das Recht, über den Aufenthaltsort des Kindes zu bestimmen (Aufenthaltsbestimmungsrecht).
Dies führt u.a. dazu, daß auch die Mutter eines Kindes das Land mit dem Kind nicht verlassen kann, ohne dafür die schriftliche Genehmigung des Vaters vorzuweisen.
Diese Genehmigung kann nicht durch einen tunesischen Ehevertrag (oder eine "Dauergenehmigung" ausgeschlossen werden) und kann vom Vater jederzeit, auch noch in letzter Minute, widerrufen werden.
(Hinweis: Seit Ende 2015 soll gesetzlich die Ausreise von Kindern auch ohne Genehmigung des Vaters möglich sein, ob sich dies auch in der Realität so darstellt, muß abgewartet werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte man sich nicht auf diese Regelung verlassen!)

Man kann es auch so ausdrücken. Die Mutter hat das "Recht" ihr Kind zu betreuen und der Vater hat das "Recht" auf die gesetzliche Vertretung des Kindes; er entscheidet also grundsätzlich im Namen des Kindes über alle relevanten Dinge.


Binationale Kinder

Die sogenannte "Kindesentführung" eines Kindes eines muslimischen Vaters in ein muslimisches Land ist insofern nach den Gesetzen dieser Länder meist auch keine "Entführung", sondern die legale Ausübung des väterlichen Rechtes.

Tunesien hat das Internationale Abkommen über Kindesentführungen nicht unterzeichnet.

Unter dem Strich steht also, daß ein tunesischer Vater seinem Kind jederzeit (bis es volljährig ist) die Ausreise aus Tunesien verweigern darf und kann.

Das Sorgrecht für ihr muslimisches Kind erhält eine Europäerin in Tunesien nur dann und nur solange, als wie sie

1) in Tunesien lebt  - und -
2) die Gewähr dafür bietet, daß das Kind gemäß islamischen Prinzipien und in einer moralisch einwandfreien Umgebung erzogen wird

Die Mutter muß also nicht selbst Muslimin sein, allerdings würde, z.B. nach einer Scheidung, ihre Wiederheirat oder gar eine "wilde Ehe" mit einem solchen sehr wahrscheinlich die Voraussetzung unter (2) verletzen, so daß sie dann ihr Sorgerecht verlieren könnte.

Kinder eines tunesischen Vaters oder einer tunesischen Mutter (seit 2010) haben, egal wo sie geboren werden, automatisch die tunesische Staatsbürgerschaft und werden bei einem Aufenthalt in Tunesien ausschließlich als tunesische Staatsbürger betrachtet, die auch nur mit tunesischen Ausweispapieren ausreisen dürfen.

Dies bedeutet, daß europäische Botschaften bei Problemen in den meisten Fällen nicht eingreifen können - das können sie nur bei den eigenen Staatsbürgern, die nicht auch die Staatsbürgerschaft des Gastlandes haben.


Unterhalt

Eltern sind unbeschränkt unterhaltspflichtig für ihre Kinder, und diese Unterhaltspflicht steht an erster Stelle (also vor der Unterhaltspflicht gegenüber Eltern, Großeltern, etc.).
Die Höhe des Unterhalts richtet sich natürlich nach tunesischen Verhältnissen, ebenso wie die Höhe des ...


Kindergeld in Tunesien

Das monatliche Kindergeld in Tunesien beträgt

- für das erste Kind 7,320 Dinar
- für das zweite Kind 6,506 Dinar
- für das dritte Kind 5,693 Dinar
- das vierte und weitere Kinder erhalten kein Kindergeld

Berechtigte erhalten das Kindergeld zusammen mit ihrem Lohn monatlich ausgezahlt.


Junge und Mädchen in Tunesien

Während Jungen in Tunesien meist ein großer Freiraum gelassen wird, werden tunesische Mädchen schon in frühen Jahren auf ihre spätere Rolle als Ehefrau in Tunesien vorbereitet und beginnen schon im Kindesalter damit, Arbeiten im Haus zu übernehmen.

Ausgang und Freizeit von Mädchen sind durch die Familie üblicherweise streng reglementiert und werden kontrolliert, Verstöße werden bestraft.

Eine der Folgen dieser Erziehung ist es, daß Mädchen in der sozialen Entwicklung in der Familie (Hausarbeiten, Organisation von Familienfesten, Kindererziehung, etc.) deutlich vor gleichaltrigen Mädchen in vielen europäischen Staaten rangieren, bei Beziehungen zum anderen Geschlecht aber besonders naiv und unerfahren sind, wobei die scheinbare Differenz nicht selten 4-5 Jahre beträgt.
Daß es in Tunesien in der Schule keinen "Aufklärungsunterricht" gibt und Themen sexuellen Inhaltes auch in der Familie stark tabuisiert sind, trägt ebenfalls erheblich mit dazu bei.

Jungen hingegen unterliegen nur wenig Restriktionen zur Freizeitgestaltung und werden in der Familie, auch von den Schwestern, stets zuvorkommend behandelt, um nicht zusagen: bedient - womit sie sich, quasi von Kindesbeinen an, ihres höheren "Wertes" und Vormachtstellung bewußt werden.

Das Sammeln von Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht vor der Ehe ist bei Jungen zwar nicht erstrebenswert, doch gleichwohl gesellschaftlich akzeptiert.



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