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Tunesien
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"Kontakt" zu einer Europäerin zu bekommen, ist einfach für den Beznesser - es reicht, Touristinnen anzusprechen.

Am einfachsten geht das natürlich mit einer Arbeit im Touristengewerbe, speziell im Animations- oder Restaurationsbereich in den Hotels in Tunesien.
Doch selbst, wenn man eine solche Position nicht hat, stehen die Chancen gut, auf der Straße, in einem Shop, einem Taxi oder einer Diskothek erfolgreich Frauen anzusprechen oder auf sich aufmerksam zu machen.

Generell haben Beznesser dabei 3 Zielgruppen in dieser Reihenfolge im Auge:
  • alleinstehende, gutsituierte jüngere Frauen
  • alleinstehende ältere Frauen
  • alle anderen Frauen
und die Ziele sind, in dieser Reihenfolge:
  • Visum nach Europa
  • finanzielle und Sach-Zuwendungen
  • amouröser Spaß
Entsprechend diesen Zielsetzungen erfolgt dann auch das weitere Vorgehen:


Strategie und Taktik

In allen Fällen wird alsbald von Eheschließung geredet, in vielen Fällen wird es auch entweder eine ausgesprochene Bitte um Geld- oder Sachzuwendung geben - oder eine unausgesprochene Erwartung dessen.

Hat der Beznesser ein "Opfer" erwischt, das über wenig Geld verfügt oder nichts geben will, dann ist das auch nicht schlimm, denn jeden Tag kommen schließlich auf dem Flughafen neue Touristinnen an.

Das, was man hat, gibt man natürlich nicht her und so wird, selbst wenn es sich um eine parallele Zweit-, Dritt- oder Viertbeziehung handelt, dennoch an der Beziehung "gearbeitet".
Denn selbst wenn keine Ehe und kein Visum herausspringt, dann lockt doch immerhin noch die Aussicht auf Sex und finanzielle Vorteile geringerer Art - die Bezahlung von Taxifahrten und Diskothekenbesuchen etwa.

Und - wer weiß, vielleicht entwickelt sich die Sache ja doch noch positiv, wenn man ihr nur mehr Zeit gibt.

Ein typisches Merkmal aller Beziehungen ist es daher, daß sie niemals aufgegeben oder vergessen werden - selbst nach Monaten und manchmal Jahren wird wieder versucht, sie aufzuwärmen.

Solange die Beziehungen jedoch noch "heiß" und frisch sind, findet ein Feuerwerk von Telefon- und SMS-Kontaktierungen statt, daß dem Opfer keine Zeit läßt, die Beziehung mit gehörigem Abstand zu betrachten.

Oftmals gewinnt bei Mehrfachbeziehungen diejenige Frau es als schnellste schafft, die  Ehe einzugehen und ein Visum nach Europa zu besorgen und die idealerweise auch alle Feierlichkeiten und Ticketkosten zahlt
Man wird, wie schon gesagt, nur noch in Ausnahmefällen auf einen Beznesser treffen, der sogleich mit der Türe ins Haus fällt und um finanzielle Zuwendungen bittet.

Da handelt es sich dann um Personen, die noch „neu“ im Geschäft sind, oder die mehrere Beziehungen haben und bei einer neuen Bekanntschaft lediglich zusätzlich ohne große Mühe etwas „mitnehmen“ wollen.

Früher oder später wird sich jedoch in so gut wie allen Fällen zeigen, daß bestimmte Forderungen – offen oder verdeckt - gestellt werden.
Die geringste Form besteht darin, bei persönlichen Treffen unter Hinweis auf die eigene Situation (kein Job, schlecht bezahlter Job, etc.) selbst nur kleinste Dinge zu bezahlen (Kaffee, Zigaretten, Taxifahrt) und im Übrigen die Zahlung durch die Europäerin zu erwarten – was in den meisten Fällen auch ohne großes Nachdenken geschieht, weil aus europäischer Sicht selbst ein Diskotheken- oder Restaurantbesuch zu zweit nur geringe Kosten verursacht.

Die nächste Stufe sind dann Bitten um kleinere Gefälligkeiten, wie dem Mitbringen von Schokolade oder Alkohol, dem Übergeben eines kleinen Betrages für die Aufladung des Prepaid-Telefones, und dies steigert sich dann mit der Zeit über Kleidung, MP3-Player bis hin zu aktuellen Mobiltelefonen und sogar tragbaren Computern (Laptop, Netbook).

Natürlich werden Forderungen zur „Hilfe“ nicht immer offen ausgesprochen, sondern es wird stattdessen nur die Situation dramatisch beschrieben und darauf gehofft, daß die Europäerin von selbst ihre Hilfe anbietet.
Danach wird dann diese angebotene Hilfe gerne angenommen, womöglich nach einer Weile des Zierens (ich würde es ja nicht tun, doch es geht nicht anders) und oft mit der Zusicherung der baldigen Rückzahlung (die tatsächlich aber niemals stattfinden wird).


Katastrophenland Tunesien

Für einen Außenstehenden scheint Tunesien dabei ein Land zu sein, in dem täglich alle Arten von Mißgeschicken bis Katastrophen passieren, die stets nur mit Geld beseitigt werden können.

Ein Mobiltelefon fällt ins Wasser und wird unbrauchbar, die Mutter oder der Vater oder Bruder/Schwester brauchen plötzlich Medizin oder eine ärztliche Behandlung, die Polizei oder Stadtverwaltung muß bestochen werden, der Arbeitgeber verlangt Wiedergutmachung für ein beschädigtes Teil, Dinge werden gestohlen oder gehen verloren, oder ein junger Mann muß sich vom Militärdienst in Tunesien freikaufen, um nur die gängigsten Fährnisse zu nennen, die jeden Tunesier beinahe im Wochenrhythmus zu treffen scheinen.
Ausnutzen von Zwangslagen

In einigen Situationen wird auch eine Zwangslage bewußt ausgenutzt.

Zu nennen sind hier speziell die Kommunikation (ich habe kein Geld, um Dich anzurufen, wenn wir uns unterhalten wollen, mußt Du anrufen), aber auch eine generelle persönliche Lebenssituation (mir wurde gekündigt, ich habe kein Geld mehr für die Miete und zum Essen) oder familiäre Begebenheit (für den kommenden hohen Feiertag können wir uns nicht einmal ein Schaf kaufe, daß wir schlachten müssen).

Nicht nur wird hier der Europäerin, die „an der Angel hängt“ ins Gewissen geredet - wer will schon nicht mit seinem Liebhaber alle paar Tage telefonieren, wer läßt ihn gar hungern oder einen Festtag traurig verbringen -  sondern es wird mit Kalkül die profunde Unkenntnis lokaler Begebenheiten ausgenutzt.

Denn in Tunesien gibt es beispielsweise niemanden, der kein Dach über Kopf oder keine tägliche Mahlzeit - wie einfach auch immer - hätte, und ein ausgiebiges Festmahl wird weder von der Religion, noch von der Tradition zwingend vorgeschrieben (sondern nur als erstrebenswert bezeichnet).

Selbst der Militärdienst in Tunesien, von dem sich so gut wie jeder männliche Tunesier freikaufen will (!), ist weitgehend mit dem z.B. in Deutschland zu vergleichen, und mit der Ausnahme der ersten wenigen Wochen Grundausbildung sind Kontakte nach „außen“ und Heimaturlaub üblich.

Ein „Verschwinden“ für Monate mit Kontaktverbot ist ein Märchen, mit dem jedoch immer wieder gerne die Angst der Geliebten geschürt und das Portemonnaie zum Freikauf geöffnet werden soll.
Im Gegenteil - der Militärdienst ist eine durchaus charakterbildende Zeit, die der Mehrzahl der Beznesser gut zu Gesicht stehen würde!


Geld und Geschenke

Daß eine Vielzahl der Gegenstände und sogar des Geldes, das ein Beznesser erbittet, gar nicht in seinen Taschen endet, ist eine andere Sache.

Man sollte sich nicht wundern, das T-Shirt, die Markenjeans oder das Mobiltelefon später bei dessen Bruder, Schwester oder einem Freund zu sehen, denn Tunesier haben zu persönlichen Gegenständen einen anderen Bezug, als viele Europäer und bewerten sie zuvorderst nach Gebrauchs- und Tauschwert.

Und was Geld betrifft, so gilt in vielen Familien in Tunesien, daß jeder, der gerade etwas hat, dies auch gibt.

Speziell Männer sind zum Unterhalt etwa der Eltern auch gesetzlich verpflichtet, und die Verwendung für ausschließlich persönliche Zwecke oder gar „Sparen“ sind weitgehend unbekannte Konzepte in einer Kultur, in der die Gruppe mehr gilt,als das Individuum.

Hinterläßt man Geld „für den Notfall“, so wird man stets feststellen, daß, unabhängig von der verstrichenen Zeit, während der Abwesenheit ein Notfall eingetreten und das Geld dafür verwendet worden ist.
(c) 2009-2010 Tunesien-Liebe